Mein erster Vollrausch oder der Beginn meiner Sucht
1965
Am 2. Januar fing meine Mutter an zu arbeiten, sie machte mit meinem Vater Wechselschicht. Also Einer hatte Frühschicht und der Andere Spätschicht, immer im wöchentlichen Wechsel. Wir waren somit jeden Tag nur ca. 0,75 Stunden alleine. Am liebsten war es für mich, wenn meine Mutter Frühschicht hatte, dann war der Nachmittag oder auch der Abend Stress frei.
In diesem Jahr schloss ich mich der Jugendgruppe „Sozialistische Jugend Deutschland, Die Falken“ an, es war eine SPD orientierte Gruppe aber von Politik hatte ich zu dieser Zeit keine Ahnung und heute sage ich, dass wir auch in keiner Weise politisch erzogen oder um orientiert wurden. Für mich war es das Größte mit den Falken in Urlaub zu fahren, mit der Familie konnten wir uns das nicht leisten.
Am Freitag vor Pfingsten, begann unser Unterricht erst um 10:00 Uhr. Wir haben uns mit ein paar Jungens aber schon um 8:00 Uhr verabredet und sind dann an den Alsdorfer Weiher gegangen (mit Zigaretten natürlich). Ich sah im Schilfgebiet eine Entenmutter mit 7 Jungen und habe mich an geschlichen, bis ich auf einer kleinen, ca. 1m² großen, Insel stand. Nach ungefähr 1 Minute sackte diese Insel ab und ich stand bis zum Bauch im Wasser. Bekleidet war ich mit einer kurzen Lederhose. Wie langsam Leder trocknet ist ja bekannt, ich musste aber mit dieser Hose noch zwei Stunden Unterricht bewältigen und direkt danach fuhren wir mit der Kirche nach Monschau in die Jugendherberge. Zu Hause konnte ich mich nicht umziehen, wie soll ich meiner Mutter erklären, dass ich um 8:00 Uhr schon in der Botanik war. Ich bin ihr auch immer ausgewichen, damit sie nichts merkt (hat gut geklappt). Aber auf deutsch gesagt, es war ein scheiß Gefühl mit dieser nassen Lederhose in der Schule und im Bus zu sitzen.
Gleichzeitig stand auch ein Zeltlager der Falken in Grünenthal. Die Heimfahrt mit der Kirche war für Pfingstsonntag geplant. Diejenigen, die auch einen Kurztrip mit den Falken gebucht hatten, durften dann Sonntagmorgen zu Fuß nach Grünenthal wandern, Schätzungsweise 6 Kinder und 7 Kilometer. Meine Freundin war auch dabei, unterwegs wollte sie mich küssen und ich habe vor Scham nur noch gelacht. Dann wurde diese Freundin verdammt böse und hat mich als kindisch und albern bezeichnet. Klar hatte sie recht, aber die Beziehung, wenn man sie so bezeichnen kann, war damit beendet und ich bin in ein großes Tief gefallen. Mein Liebeskummer hat lange an gedauert.
Aber am Abend fand eine Disco in der Campingplatz Kneipe statt, diese befand sich ca. 500 Meter außerhalb des Zeltlagers.
Wir waren eine Clique (innerhalb der Jugendgruppe) von 5 Kindern, ich war der Jüngste und der Älteste war 16 Jahre alt. An diesem Abend legten wir unser Geld zusammen und wollten alles gemeinsam und gleichermaßen versaufen. Ich wusste am nächsten Tag nicht mehr was ich getrunken habe, wie viel ich getrunken habe, wie lange ich getrunken habe und wie ich ins Zelt gekommen bin.
Ich habe dann am nächsten Tag (nach dem ersten kotzen) erfahren, dass ich den Weg alleine gehen konnte aber über die Brücke musste ich getragen werden. Noch nie war es mir so schlecht gewesen wie an dem Tag danach, ich weiß heute nicht mehr, wie oft ich zur Rur musste um diese mit dem schon mal Gegessenen aufzufüllen.
Aber noch nie zuvor wurde ich so, wie am nächsten Tag, beachtet. War ich doch ein toller erwachsener Hecht mit meinen 13 Jahren. Aber der große Erfolg gibt dem Alkohol das Recht weiter zumachen und ich habe weitergemacht. Das die Leute über mich geredet hatten und es auch lustig fanden, war ein schönes Gefühl. Auch habe ich gemerkt, dass man seinen Kummer versaufen kann
Im gleichen Jahr durfte ich meinen ersten großen Urlaub machen, es ging für 3 Wochen nach Oerlinghausen in den Teutoburgerwald, natürlich auch mit den Falken. Wir Kinder mussten im Zeltlager unser Geld in in die Lagerbank einzahlen und durften uns dann jeden Tag, zu einer gewissen Öffnungszeit, etwas Geld abheben. Es wurde auch darauf geachtet, dass wir uns nicht zu viel auszahlen ließen. Eigentlich sehr gut geregelt, ich hätte nach 3 Tagen kein Geld mehr gehabt.
Ich bekam in diesem Lager den Spitznamen „Stinki“, ich konnte im Zelt sehr gut und auch geruchsintensiv, pupsen.
This entry was posted on Sonntag, Mai 30th, 2010 at 21:20 and is filed under .
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